Das Rookie Ranking 2011/12, Vol. 1

Die Saison 2011/12 ist keine leichte für Liganeulinge. Keine Summer League, ein verkürztes Trainingslager, kaum Trainingseinheiten während der regulären Saison. Die Teams hetzen von Partie zu Partie, die Trainerstäbe der Franchises haben nur wenig Zeit, sich um die Entwicklung ihrer Talente zu kümmern.

Wie läuft es also vor diesem Hintergrund bei den Rookies des Jahrgangs? Machen sie Fortschritte? Wo geht die Reise für sie hin? Hier die Top 5 Debütanten 2011/12:

1. Kyrie Irving, PG, Cavaliers
Stats: 18,0 PPG, 5,1 APG, 3,5 RPG, 49,2 FG%, 41,3 3P%

Irving ist der beste Rookie dieses Jahrgangs. Seine Statistiken sind nicht nur überragend, sie sind einzigartig. Wann legte das letzte Mal ein Rookie mindestens 49,0 Prozent Wurf- plus 41,0 Prozent Dreierquote auf und mindestens 15,0 Punkte? Richtig: niemals! Kann er zum Superstar werden, obwohl ihm dies viele nicht zutrauten? Wenn er als Vorbereiter – was natürlich auch ein Stück weit an seinen Mitspielern hängt – effektiver wird, kann Irving alles erreichen.

2. Ricky Rubio, PG, Timberwolves
Stats: 10,9 PPG, 8,7 APG, 4,4 RPG, 37,6 FG%, 32,8 3P%

Rubio ist so ein bisschen der Anti-Irving. Als Spielmacher überragend, lässt er in Sachen Wurfquoten und Scoring noch einige Wünsche offen. Als Floor General ist er schon jetzt absolute Spitze, nur wenige NBA-Spieler machen ihre Teamkameraden um so viele Prozentpunkte besser als Rubio. Solange er sich allerdings keinen soliden Wurf antrainiert, wird er nicht den Schritt in die absolute Elite schaffen.

3. MarShon Brooks, SG, Nets
Stats: 14,0 PPG, 4,3 RPG, 1,6 APG, 44,2 FG%, 36,2 3P%

Brooks ist eine der Überraschungen der Draft 2011! An der Uni in Providence war er der Mann. Jeder Angriff lief über Brooks, traf der Swingman nicht, hatte sein College keine Chance. In der NBA zeigt der Scorer, dass er auch effektiv sein kann, ohne den Ball fortwährend in der Hand zu halten. Dabei kommt ihm seine offensive Vielseitigkeit zu Gute. Floater, Dreier, Mitteldistanz – es gibt nichts, was Brooks nichts gut bis sehr gut beherrscht.

4. Kawhi Leonard, SF, Spurs
Stats: 7,0 PPG, 4,9 RPG, 1,2 SPG, 45,7 FG%, 37,8 3P%

Die Zahlen mögen niemanden die Kinnlade gen Boden sinken lassen, Leonard ist trotzdem ein erstklassiger Rookie. In San Antonio kommen Neulinge nur selten zum Zug, das Spiel der Spurs beruht nun mal sehr auf Spielintelligenz. Gleichzeitig ist Coach Gregg Popovich kein Freund von Fehlern. In Texas werden junge Spieler erst ausgebildet und dann in späteren Jahren effektiv i die Rotation eingebaut. Leonard hingegen überspringt gerade einige Entwicklungsstufen, profitiert von den Räumen, die ihm die Veteranen schaffen und dankt es den älteren mit seiner grenzenlosen Energie auf dem Spielfeld.

5. Brandon Knight, PG, Pistons
Stats: 12,3 PPG, 3,5 APG, 3,4 RPG, 40,1 FG%, 35,2 3P%

Brandon Knight wird selten genannt, wenn es um die besten Rookies des Jahrgangs geht. Dabei ist der Aufbau eine der wenigen Hoffnungsschimmer am trüben Himmel der Motor City. Natürlich ist der 20-Jährige noch inkonstant. Seine 26 Punkte, sieben Assists und drei Rebounds beim 88:80-Sieg der Pistons gegen Milwaukee zeigten aber, wie effektiv er gegen Spieler vom Format eines Brandon Jennings schon jetzt sein kann.

Während diese Rookies den Erwartungen gerecht werden oder sie sogar übertreffen, haben andere prominente Neuzugänge bisher enttäuscht. Warum eigentlich?

Jimmer Fredette, PG, Kings
Stats: 8,2 PPG, 2,0 APG, 1,2 RPG, 37,1 FG%, 38,3 3P%

Alle Befürchtungen in Sachen Fredette scheinen sich zu bestätigen. Defensiv bietet er keinen bis wenig Widerstand, im Angriff nimmt er viele, oft schlechte Würfe aus der Distanz. Zum Korb kommt er kaum. Fredette zeigt außerdem keine wirklichen Aufbauqualitäten, was allerdings auch schwierig ist. Die Kings spielen mit Tyreke Evans auf der Eins – größer könnte der Unterschied zwischen ihm und Fredette in Sachen Skills nicht sein. Also muss Fredette, wenn er denn den Ball bringt, Systeme laufen, die nicht auf ihn zugeschnitten sind. Kann Fredette noch zu einem effektiven NBA-Profi reifen? Mit Sicherheit, allerdings nicht bei den Kings. Er braucht ein Team, das für ihn spielt.

Enes Kanter, C, Jazz
Stats: 5,1 PPG, 5,2 RPG, 0,5 BPG, 46,7 FG%, 67,4 FT%

Was viele vergessen, die Kanter die NBA-Reife absprechen: Der 19-Jährige hat ein Jahr Wettkampfpause hinter sich! In diesem Alter ein Jahr zu verlieren, ist fatal – vor allem wenn danach der Sprung auf ein gänzlich neues Niveau gemeistert werden soll. Kanter lernt in dieser Saison von Spiel zu Spiel dazu. Im tiefen Frontcourt der Jazz (Al Jefferson, Paul Millsap, Derrick Favors) bekommt er die Zeit, um sich in Ruhe zu entwickeln. Die Ansätze sind da, 2012/13 dürfte er einen großen Sprung nach vorn machen.

Derrick Williams, SF, Timberwolves
Stats: 7,6 PPG, 4,2 RPG, 0,6 APG, 42,6 FG%, 23,9 3P%

Wenn die Rede von Timberwolf-Spielern ist, die an der Seite von Ricky Rubio „hart zum Ring gehen“, dann ist Derrick Williams gemeint. Der zweite Pick der Draft 2011 spielt in der NBA bisher noch auf der falschen Position. Er ist kein Small Forward, sondern auf der Vier zu Hause. Seine Wurfquoten sind nur direkt am Ring gut, alles was außerhalb der Zone seine Wurfhand verlässt, wird zum Abenteuer ohne Happy End. Als Power Forward kann der andere D-Will in Minnesota allerdings nicht spielen, Kevin Love ist dort in den nächsten Jahren zu Recht gesetzt. Trade? Die T-Wolves werden in Person von Manager David Kahn sicherlich darüber nachgrübeln. Dürfte Williams am Brett agieren, wäre er schon jetzt einer der besten fünf Rookies seines Jahrgangs, er hat die Kraft, die Athletik und die Bewegungen.

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