Wohin mit Superman?

Da war er wieder in den Nachrichten: Dwight Howard. Pünktlich einen Monat vor der Trading Deadline schoss Superman nach einigen ruhigeren Wochen zurück in die Schlagzeilen. Seine ominöse Liste, auf der die Teams verewigt sind, bei denen der Übercenter auch nach Ende seines laufenden Vertrages bleiben würde, sei um die L.A. Clippers erweitert worden. Meldete sheridanhoops.com. Realgm.com meldete das Gegenteil.

Was ist also dran an den Gerüchten? Wie realistisch sind die Szenarien, die den besten Pivoten der Welt in eine der oben genannten Städte schicken? Wann wird Howard getraded? Wird er das überhaupt?

Was steht auf der Liste und warum ist die so wichtig?

Howard kann im kommenden Sommer vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen. Entgegen seiner Beteuerungen wird er nicht in Orlando bleiben. Dem Team fehlt die Flexibilität unter dem Salary Cap, der Kader des Teams ist selbst mit Howard keinesfalls reif für eine Meisterschaft.

Dass Howard im Sommer vertragsfrei wird, schränkt den Handlungsspielraum der Orlando Magic extrem ein, denn ihr Big Man kann ein Stück weit diktieren, wohin er getraded wird.

Mit seiner Liste sagt Howard: „Das sind die Clubs, bei denen ich verlängern würde. Alle anderen sind raus. Wenn ihr mich woanders hin schickt, werde ich Free Agent und unterschreibe danach, wo ich will.“

Also werden Mannschaften, die nicht auf Howards Zettel stehen, keine lukrativen Angebote machen, weil sie Gefahr laufen den Superstar nur für einige Monate und einen etwaigen Playoff-Run zu leasen. Die Magic müssen also mit den Nets, Mavericks und Lakers verhandeln – das sind die von Howard handverlesenen Franchises.

Wer von diesen Teams ist der Favorit?

Die Nets gelten noch immer als das Team, mit den besten Aussichten. Nicht unbedingt, weil sie die beste Truppe haben oder herausragende Spieler, die sie in einem Deal nach Orlando schicken könnten, sondern weil im Sommer eine Menge Platz unter dem Salary Cap haben.

Dann laufen die Verträge von Mehmet Okur, Kris Humphries und DeShawn Stevenson aus. All Star Deron Williams zieht seine Option auf ein frühes Vertragsende.

Im Klartext: New Jersey verfügt über genügend freie Dollars, um Williams und Howard als Free Agents zu holen – wenn einer oder beide auf ein paar Millionen verzichten. Der Clou: Die Franchise müsste noch nicht einmal Center Brook Lopez traden, um das zu bewerkstelligen.

Mit Williams, Shooter Anthony Morrow, Rookie-Überraschung MarShon Brooks, Howard sowie einem hohen Draftpick 2012 wäre die Franchise auf Anhieb gut aufgestellt. Lopez? Den könnte das Team für Hilfe auf dem Flügel traden.

Sind die Mavericks damit schon aus dem Rennen?

Nicht unbedingt. Ohne Williams wird Howard nicht nach New Jersey gehen. Nur: Was will der Point Guard? Momentan durchlebt er eine Saison zum Vergessen. Wie wirkt sich das auf seine Einstellung gegenüber der Franchise aus? Sagt er sich: „Bittere Spielzeit, aber mit Dwight und mit dem Umzug nach Brooklyn wird alles besser“? Oder sucht er gefrustet das Weite?

Sollte Letzteres passieren, wäre Dallas eine Option. Immerhin stammt der Aufbau aus der Nähe von Big D. Während der Finals 2011 begrüßten sich Williams und Dirk Nowitzki überschwänglich in der Geschäftsstelle der Mavs.

Williams allein würde an der Seite Nowitzkis die Mavericks aber keinesfalls zu einem Titelfavoriten machen. Momentan kann Mavs-Boss Mark Cuban im Sommer nur einen Maximalvertrag aushändigen. Für Howard wäre schlicht nicht genug Geld da.

Außer es gelingt, den Kader komplett auszudünnen. Brendan Haywood oder Shawn Marion müssten per Amnesty Clause entlassen oder für Spieler getraded werden, deren Verträge im Sommer auslaufen. Lamar Odom würde ebenfalls keine Zukunft haben, Rodrigue Beaubois und Dominique Jones würden verschifft.

Wenn Mark Cuban und Manager Donnie Nelson wirklich glauben, dass sie in sechs Monaten eine Chance auf Howard UND Williams haben, wird vom Meisterteam 2011 nur noch Dirk Nowitzki übrig bleiben. Dallas hätte eine eigene Big Three. Dafür müssen sich Williams und Howard aber ein Stück weit absprechen – so wie einst LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh.

Wow, die Lakers sehen das wahrscheinlich alles ein bisschen anders?

Die Lake Show läuft in der Tat Gefahr, den Anschluss zu verpassen. Wenn das Team an Andrew Bynum festhält, geht die Franchise ein großes Risiko ein. 2013 läuft der Vertrag des Centers aus.

In sechs Saisons lieferte er bisher nie mehr als 15,0 Punkte pro Partie. Nur 2006/07 absolvierte Bynum mehr als 65 Partien in einer Spielzeit. Auch wenn er dieses Jahr ansprechende Leistungen zeigt: Wer will wirklich die Zukunft der Lakers darauf setzen, dass der 24-Jährige sich plötzlich zu einem Franchise Player entwickelt?

Kobe Bryant wird im Sommer 34, Pau Gasol 32 Jahre alt. Beide werden im Sommer 2014 Free Agents und dürften dann nicht mehr auf All-Star-Level spielen.

Ihre einzige Chance wäre ein Trade für Howard, dafür müssten sie aber mit Sicherheit den heftigen Vertrag von Hedo Türkoglu an Bord nehmen, Gasol und Bynum nach Florida schicken.

Warum sollte Howard aber nach L.A. kommen, wenn dort nur Bryant auf ihn wartet? So gut, wie die Schwarze Mamba auch in dieser Saison spielt, er befindet sich im Herbst seiner Karriere. Ob er in den Playoffs noch genug im Tank hat, um eine Serie zu gewinnen, ist fraglich.

Was wird also passieren?

Bis zur Trading Deadline erst mal gar nichts. Die Magic werden abwarten und hoffen, dass die Angebote für Howard besser werden – genau wie es im vergangenen Jahr die Denver Nuggets bei Carmelo Anthony getan haben.

Gut möglich, dass aber auch dann nichts passiert. Wenn die Nets wissen, dass Howard und Williams zu ihnen kommen wollen, brauchen sie nicht zu handeln. Die Mavericks haben nicht die passenden Trade-Bausteine.

Bleiben die Lakers und die Clippers. Kobe und Co. haben Spieler, die den Magic helfen würden, nur wird Howard kaum seine Zustimmung geben, wenn er zu einem Team muss, bei dem er keine Chancen auf eine Meisterschaft sieht.

Die Clippers? Wären nur eine Notlösung im kommenden Sommer. Das Team dürfte in dieser Saison kaum einen solchen Blockbuster durchziehen wollen, der DeAndre Jordan, Mo Williams, Eric Bledsoe und einen hohen Draftpick nach Orlando schickt – die Mannschaft findet sich gerade erst. Clippers-Boss Donald Sterling hält zudem viel von Jordan und will erst mal sehen, ob sich seine investierten Dollars diese Saison rentieren.

Alle, die einen Howard-Deal sehen wollen, werden sich wohl noch ein bisschen gedulden müssen. Eines ist jedoch klar: Wann immer Howard das Team wechselt, wird er das Kräfteverhältnis der gesamten NBA ins Wanken bringen.

SOCIAL MEDIA